Autor: Jürgen

  • Kafka im Schuhladen

    Kafka im Schuhladen

    Dass man mich mal im Schuhladen sieht, geschieht schon sehr selten. In die City von Flensburg fahre ich schon gar nicht. Die Läden auf der grünen Wiese sind schon schlimm genug. Einen Schuhladen haben wir in direkter fußläufiger Reichweite. Ich also hin, meine Frau zur moralischen Unterstützung an meiner Seite. Sie hatte einige Paar Schuhe für mich ausgeguckt. Es sollten welche sein, die ich zum Straßenanzug, aber auch zu Jeans tragen konnte, wenn ich dazu ein Sakko tragen will. Die Vorauswahl meiner Frau sah optisch recht gut aus, saßen aber nicht so angenehm am Fuß. Wir entdeckten ein anderes Paar in schwarz. Das gefiel mir optisch und in der Passform. Außerdem empfand ich es von Vorteil, dass Ich darin gut laufen konnte. Da sie preislich attraktiv waren, gönnte ich mir das selbe Paar noch einmal mehr in braun. So hatte ich welche zum auswählen. Mit den beiden Paaren Schuhe in der Einkaufstasche gingen wir Richtung Heimat. Am Abend hatten wir ein Treffen, und stolz zog ich das schwarze Paar an. Der Schuh fühlte sich gut an, drückte nirgends auch nach Stunden nicht, ich war zufrieden und stolz auf meine Errungenschaft.

    Nach einigen Tagen, wir sollten zur jährlichen Eigentümerversammlung, waren die braunen dran. An dem einen bemerkte ich einen Fehler. Der Latz wurde beim Zubinden zusammengedrückt, die dadurch entstehende Falte drückte von oben auf den Fuß, was ich erst nach einigen Minuten Tragen bemerkte. Das ließ sich auch nicht durch Neu-Binden vermeiden. Also habe ich am nächsten Tag den Schuh reklamiert.

    Und hier komme ich an den Punkt, an dem ich mit der geballten Intelligenz des deutschen Einzelhandels konfrontiert wurde.

    Ich legte meinen Rucksack mit den Schuhen auf den Tresen, packte einen nach dem anderen aus. Die Verkäuferin fragt mich, was mit dem Schuh wäre. Ich erklärte, die Schuhe am Samstag vergangener Woche gekauft und gestern Abend zum ersten mal getragen zu haben. Da hätte sich gezeigt, dass der Schuh einen Fehler hätte. Diensteifrig erklärte sie mir wie auswendig gelernt, sie könne nichts machen, weil ich den Schuh ja schon getragen hätte. Ich erwiderte ihr, ich könne den Fehler ja nur feststellen, indem ich ihn trage und fügte hinzu, dass es ja auch noch so etwas gäbe wie eine gesetzliche Gewährleistungspflicht. Von meiner anscheinend unerwarteten Rhetorik beeindruckt, zuckte sie zusammen und ihre Augen suchten hektisch den großen Verkaufsraum nach der rettenden Vorgesetzten ab. Sie wurde fündig und rief die Kollegin. Mir zugewandt, sagte sie: „Wir klären das jetzt in aller Ruhe.“ Ich erwiderte: „Vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen. Ich BIN vollkommen ruhig.“ „Ja, alles gut!“ meinte sie verlegen lächelnd und verschwand im hinteren Teil des Ladens. Die vorgesetzte Kollegin hörte sich meine Klage an. Ich schlug ihr vor, ich wollte schauen, ob ich ein gleiches Paar finde, oder etwas, was mir anstelle dieses Modells gefallen würde. Mit der jungen Dame, die ich schon kennenlernen durfte, ging ich an die Stelle wo die Herrengröße 45 zu finden war. Ich probierte einige, die sie mir vorschlug. Aber keine gefielen mir so gut wie die, die ich reklamierte. Ich also wieder zur Kasse, wo die Vorgesetzte auf mich wartete.

    Ihr erklärte ich noch einmal in Prosa, was meine Recherchen ergeben hätten und dass ich sie bitten würde, ein gleiches Paar, das hoffentlich besser gearbeitet wäre, für mich zu besorgen. Darauf einigten wir uns.

    Und nun komme ich zu dem Punkt, bei dem Kafka nur milde gegrinst hätte: Sie notierte sich meine Telefonnummer, die Schuhgröße und das Modell. Den Dialog fasse ich wie folgt zusammen.

    • Ich: „Sie besorgen mir ein neues Paar und tauschen es mir um, okay?“
    • Sie: „Ja, machen wir. Was machen wir mit diesem Paar? Möchten Sie die Schuhe mitnehmen oder gleich umtauschen?“

    Ich stutzte einen oder zwei Momente.

    • Ich: „Wie soll ich das verstehen? Sie haben das Paar nicht, besorgen es für mich, und ich kann es doch erst dann umtauschen!?“
    • Sie: „Ja, genau. Wollen Sie die Schuhe mitnehmen oder gleich tauschen?“

    Anscheinend wollte sie das Problem, das sie mir stellte, nicht sehen.

    • Ich (sie anlächelnd): „Ich weiß nicht, wie sie das meinen!“
    • Sie: „Wollen Sie die Schuhe mitnehmen oder gleich tauschen?“

    Langsam erwachte in mir der bisher erfolgreich unterdrückte Fluchtreflex.

    • Ich: „Ich verstehe immer noch nicht den zweiten Teil ihrer Frage: Wie soll ich die Schuhe gleich umtauschen, wenn Sie das Modell nicht auf Lager haben?“

    Nun war ich mir sicher, dass ich sie nicht mit meiner Problemstellung überfordert hätte.

    Als hätte sie nur diesen Textbaustein auf Abruf, erfolgte nur:

    • „Wollen Sie die Schuhe mitnehmen, oder gleich tauschen?“

    Ich gab nach und erwiderte völlig desillusioniert:

    • „Ich nehme sie mit, und sie rufen an, wenn die anderen da sind!“

    Draußen nahm ich einen tiefen Zug der erfrischenden kühlen Herbstluft, durch die es milde nieselte.

  • Neues von der Corona-Front

    Ja, es ist noch nicht vorbei. Christian Drosten hatte Recht. Wir müssen mit dem Virus leben.

    Das musste ich vor gut vier Wochen und bis jetzt wieder spüren. Mitte Mai Halskratzen, Kopfweh und schon zwei Wochen davor trockener Husten. Der Schnelltest war eindeutig. Also alle Treffen mit persönlichem Kontakt abgesagt. Kurz danach ließ der Reizhusten nach … dachte ich.

    Nein, es ging erst richtig los. Der trockene Husten, der mich zu Zeiten, in denen mich beruflicher Stress plagte, nicht losließ, tut es auch jetzt wieder. Mittlerweile fast acht Wochen. Ein weiterer Coronatest blieb negativ. Nur die Erkältungssymptome.

    Da ich Musiker bin, schlägt das alles auch heftig auf meine Stimme. Singen kann ich ein oder maximal zwei Lieder. Dann muss ich die Gitarre solo spielen. Und das trotz Inhalieren mit Vernebler, Dampf, mit und ohne Ölen.

    Es ist zum heulen.

  • Nun hat’s uns auch erwischt!

    Nun hat’s uns auch erwischt!

    Eigentlich wollten wir schon immer mal mitreden können. Glücklicherweise haben uns das die vier Impfungen unmöglich gemacht. Aber jetzt hat es geklappt. Meine Frau hatte am 20.9. Erkältungssymptome, und mein Hals kribbelte auch. Außerdem hatte ich das Gefühl, meine Augen wollten raus. Die obere Gesichtshälfte fühlte sich wie angeschwollen an. Wie Fieber. Die Temperatur war aber fast normal.

    Am Sonntag machten wir beide einen Schnelltest, den wir da gekauft hatten, wo es AL DI guten Sachen gibt. Meiner hatte einen Strich, Frauchens zwei. Also fuhren wir Montagmorgen gleich zur Infektsprechstunde unseres Hausarztes, die immer morgens von 8 bis 9 Uhr geht.

    Die Schlange war lang, die Wartezeit trotzdem kurz. Wir durften im „Doppelpack“ rein, weil wir auch zusammen wohnen. Die Untersuchungen und Tests waren schnell gemacht. Einen Zettel mit QR-Code bekam jeder von uns mit. Den Code zuhause in die Corona-Warn-App gescannt und bis abends gewartet. Schön ins Bett gelegt, d.h., ich nicht, aber meine Frau, weil es sie richtig erwischt hat.

    Abends ca. 18 Uhr hatten wir in der Warn-App die Ergebnisse. Bei mir „NEGATIV“ bei Astrid „POSITIV“. Also endlich Gewissheit. Die wurde durch den Anruf eines Herrn Krause, seines Zeichens Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Flensburg bestätigt. Er mahnte mich, Abstand zu halten, Hygienemaßnahmen ernst zu nehmen und immer eine Maske zu tragen. Ein echter Praktiker, der weiß, wie eine harmonische Ehe aussieht. 😉

    Im Lauf der Woche, ging es meiner Frau immer besser, und meine Symptome ließen weiter nach. So waren wir sicher, unseren mit Freude erwarteten Kurzurlaub an der dänischen Nordsee doch noch genießen zu können. Die Koffer waren am Donnerstag fast fertig gepackt. Abends noch einen Schnelltest. Ergebnisse wie Sonntag, meiner negativ und der andere positiv. Somit quälten wir uns einige Stunden mit der Entscheidung, ob wir fahren sollten. Wir wären eh fast nur für uns allein im Haus, in der Natur, am Strand, und wir würden niemanden gefährden. Wir entschlossen uns, die bezahlte Buchung zu stornieren. Der Vermieter brauchte kein Attest, meine E-Mail hat ihn offenbar überzeugt. Jedenfalls gab es damit keinen Stress. Die Dänen sind oft sehr entspannt und freundlich.

    Meine Frau bekam eine Krankschreibung (AU) mit. So bleibt zumindest ihr Anspruch auf die Woche von ihrem knappen Jahresurlaub erhalten und wir können irgendwann mal ausspannen. Ohne SarsCov2 in der Blutbahn.

    Fazit?

    Wir waren in der Pandemie bis jetzt wirklich vorsichtig. Meine Frau hat, zumindest, bis die heißen Tage anfingen, auch ohne Maskenpflicht ihre Arbeit am Bäckertresen pflichtbewusst und maskiert getan. Unsere Kontakte waren auf Minimum. Wir sind beide durchgeimpft und zweimal geboostert. Trotzdem ist man nicht 100%ig geschützt. Aber die Impfungen werden für einen relativ milden Verlauf gesorgt haben und hat mich doch recht gut gegen die bis jetzt fast 10tägige starke Virenlast geschützt. Wir sind froh, auf die Faktenlage und vernünftigen Mahner gehört zu haben. Und auch wenn wir Impfreaktionen hatten, wir waren es uns wert, sie ausgehalten zu haben.

    Bitte, schützt euch selbst und andere … und bleibt gesund!

    Updates:

    08.10.2023 Einige Zeit nach Abkündigung der Pandemie erwischte es mich doch noch. Wahrscheinlich die Omikron-Variante.

    Am 23.09. legte ich mich Nachmittags zu einem Schläfchen hin, und als ich aufwachte, brannte es fürchterlich im Hals. Die Nasenschleimhäute waren geschwollen, ich hatte ziemlichen Durst.

    Am nächsten Tag, Sonntag, machte ich einen Schnelltest, der eindeutig positiv zeigte.

    Heute ist der Test zwei Wochen her, der neue negativ, aber körperlich ziemlich schlapp. Von Leidensgenossen hörte ich, ich müsse mit insgesamt vier Wochen rechnen, bevor ich wieder „in Farbe“ sehen könne. Einziger Trost: ich brauche vorerst keine weitere Impfung gegen Corona.

    Was ist mit Frauchen? Während sie ihre Infektion ohne mich auskuriert hat, ist sie komplett negativ geblieben.

    17.10.2023 In Woche vier kann ich zwar meine täglichen Spaziergänge in alter Form pflegen. Aber die Erkältungssymptome wie Husten und Schnupfen schränken meine sozialen Kontakt doch noch arg ein. Gestern habe ich meine Sommerräder gegen die Winterräder getauscht. Aber das hat mich mächtig angestrengt. Beim nächsten Saisonwechsel werden aus den fälligen Sommerreifen Ganzjahresreifen.

    19.11.2023 Am Ende der achten Woche muss ich feststellen, dass oftmals der Hals kratzt. Der Hustenreiz ist noch vorhanden, und meine Stimme ist immer noch belegt. Das Singen ist damit nicht möglich, besonders, weil das den Hustenreiz provoziert.

    27.11.2023 Nach neun Wochen kriegt meine Stimme langsam wieder Klarheit. Wie Pavarotti kann ich noch nicht singen. Aber das klappte vor Corona auch nicht.